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 Liebe Leser meiner Homepage!

Hier möchte ich Euch ein bisschen in die Welt der Kampfkünste entführen und Euch den Unterschied zwischen Kampfkunst und Kampfsport näher bringen.  Dabei wird mir sicher meine, über zwanzig Jahre Erfahrung in den Kampfkünsten / Kampfsportarten, zugute kommen!

(Bildherkunft unbekannt)


Gijutsu yori shinjutsu.
(Die Kunst des Geistes kommt vor der Kunst der Technik.)

Von Meister Gichin Funakoshi, Begründer des modernen Karatedo, 1868 - +1957


 Die Philosophie der Kampfkunst

Der Kampf als Weg zum geistigen Ziel

Wenn wir von Kampfkünsten sprechen, beziehen wir uns im allgemeinen auf eine der gängigen asiatischen Formen wie Karate, Kung Fu, Judo usw. Dabei übersehen wir jedoch, dass es sich bei diesen Formen eigentlich nur noch um Fossilien von ursprünglich weit umfassenderen Systemen handelt, die zum Großteil ihren inneren Sinn verloren haben.

 Heute ist etwa Judo und Karate durch den Sportcharakter zu einem reinen Wettkampf ohne tieferen Inhalt geworden, das Aikido hat sich durch das falsch interpretierte Prinzip der Gewaltfreiheit seines Gründers, Meister Ueshibas, zu einem weichen Stil tänzerischen Charakters und geringer praktischer Wirksamkeit entwickelt.

 Wenn wir die Entwicklung der Kampfkünste von ihren Ursprüngen aus betrachten, so können wir in dieser Entwicklung vier Phasen feststellen:

Ursprung

 Dies ist die mythisch-magische Phase der Kampfkunst. Gekennzeichnet ist sie durch das Vorhandensein von göttlich-magischen (mythologischen) Königen, von Kriegerkönigen, Kriegerpriestern und von mythologischen Helden. Die Götter sind Kriegsgötter, wie etwa Indra in Indien, Huitzilopochtli bei den Azteken oder aber Krishna in der Bhagavad-Gita. Dieses Werk beschreibt etwa die Einweihung eines Kriegers, des Arjuna, in die Mysterien des Kampfes. Indra als Beispiel entspricht in keiner Weise dem Konzept einer heutigen Religion, sondern dem einer kriegerischen, gekennzeichnet durch einen Weg der Proben und Verantwortungen für den Einzelnen. Seine irdischen Repräsentanten waren eine Reihe von Kriegerkönigen. Auch bei dem mythologischen Paar Merlin und Artus finden wir den König mit seinem mythischen Helfer, dem alten und weisen Magier. Dieselbe Funktion eines Kriegsgottes hat Huitzilopochtli bei den Azteken.
 
Ein Merkmal der Kriegsgötter war der geringe Grad ihrer öffentlichen Verehrung, die meistens „angenehmeren" Gottheiten vorbehalten war. Aus diesem Grund sind auch Überlieferungen selten und widersprüchlich, wie etwa aus Griechenland vom Gott Ares oder über den römischen Mars, der einer der wichtigsten Götter des Imperiums gewesen ist.
Der schrittweise Übergang zur nächsten Phase bedeutet den Beginn dessen, was wir Zivilisation nennen. Historisch gesehen sprechen wir dann von den ersten Dynastien von historischen Königen, wie etwa in Ägypten oder in China. Die Zeit, die vor diesen Königen lag, wird als mythologisch und daher eher irreal angesehen.

 Der Krieg

 Die erste Phase tritt in den Hintergrund, das Kennzeichen dieser zweiten Phase sind die kriegerischen Proben, wie etwa die Gralssuche im Artusmythos. Das Ziel ist hier der Krieg: Der Mensch muss sich im echten Kampf Mann gegen Mann auf Leben und Tod beweisen. Der japanische Ausdruck für diese Kriegskunst zum Zweck des Krieges ist Bugei. Der Krieg wird jedoch im Sinne des Bringens von Gerechtigkeit und Ordnung gesehen. Der gerechte Krieg bringt, gemäß dieser Lehre, den Frieden und die Zivilisation, er bringt die Errungenschaften einer Hochkultur den Völkern, die sie noch nicht haben.
 Dies ist die Epoche der initiierten Könige, der Kodizes (Bugei), die Phase des Krieges für den Krieg an sich. In dieser Phase werden die Kampfkünste geboren.

 Organisation in Schulen

 Der Krieg ist nicht mehr erstes Ziel der Kampfkunst, da sich das politische System entsprechend verändert hat. Die Kampfkunst wird zum Do, dem Weg, den die Krieger auch ohne den wirklichen Kampf gehen können. Die erlernten Künste werden nicht unbedingt im Krieg eingesetzt, der Kampf wird zum Symbol. Die Kriegskünste werden heilig bzw. zu verehrten Symbolen des Krieges. Es entsteht ein Heldenkult, wie man es in Europa anhand der Rittersagen nachvollziehen kann. In weiterer Folge erscheinen Meister, die Schulen und Stile gründen. In unserer Zeit waren dies unter anderen Jigoro Kano (Judo), Gichin Funakoshi (Karate) und Morihei Ueshiba (Aikido), um nur die bekanntesten zu nennen. Diese Meister führten das Wort Do ein, um den Weg anzuzeigen.
Es gibt Krieger ohne Krieg, die dennoch den Geist des Krieges aufrechterhalten.
Die Kampfkunst als Weg wird zum Budo, zum Krieg als Weg zur Weisheit.

 Die Rückkehr zum Ursprung

Es findet eine Verbreitung der Kampfkünste statt. Sie gelangen so auch zu Völkern, die mit der ursprünglichen Mentalität, die hinter den Künsten steckt, nichts gemein haben. Diese Phase ist notwendig, um hinter der Form wieder die Philosophie zu entdecken. Dies geschieht deshalb, weil die leere Form immer unbefriedigender wird und die Ausübenden sich wieder um die Hintergründe der Kampfkünste Gedanken zu machen beginnen.
 

In der heutigen Zeit sind die Kampfkünste zum Sport degeneriert. Der Grund dafür liegt einerseits in der Mentalität der asiatischen Meister, die zwar die Philosophie kennen, aber nicht darüber reden und so ihren westlichen Schülern nur die Form mitgaben. Andererseits liegt der Grund aber auch in der Tendenz der westlichen Welt, alles und jedes zu kommerzialisieren. Diese beiden Aspekte führten dazu, dass die Kampfkünste im Westen zu dem wurden, was sie heute sind: dem Wesen nach materialistische Formen, die zu Sportarten verkommen sind, wie ja auch die Bezeichnung „Kampfsport" verdeutlicht. Der Unterschied der heutigen Kampfkünste zu den Konzeptionen ihrer Gründer ist enorm. Ein weiteres Problem der heutigen Kampfkünste liegt in ihrer engen Verbindung mit religiösen Konzepten, die eigentlich keine Kriegerreligionen sind: Der Buddhismus etwa verbietet die Gewaltanwendung ebenso wie der Konfuzianismus. Diese beiden Konzepte haben aber auf die heutigen Kampfkünste über den Weg des Zen und des Budo großen Einfluss.

 Die Rückkehr zum Ursprung zeigt sich als Suche nach den Prinzipien, Finden einer philosophischen Basis und der Anwendung dieser Prinzipien, damit die Kampfkünste wieder von neuem geboren werden können. In diesem Prozess vereinigen sich die zwei Elemente des theoretischen Fundaments und der philosophischen Basis. Aus dem Inhalt des ersteren und dem Weg des zweiten entsteht der Innere Krieg, der die Überwindung der menschlichen Polarität zwischen Körper und Geist zum Ziel hat. Es bedeutet nichts anderes, als dass sich der Mensch darüber klar werden muss, dass er eigentlich gegen nichts und niemanden kämpfen muss als gegen sich selbst. Durch diese Sicht der Kampfkunst ändern sich die Techniken grundlegend, sie werden von einem Instrument zur Unterwerfung des Gegners zu einem Instrument des Sieges über sich selbst, d.h., sie werden zu einem Instrument der Erlangung des Bewusstseins.
 

Der Unterschied der heutigen externen Kampfkünste zu den internen philosophischen Künsten liegt darin, dass erstere an der Bipolarität und damit der Komplementarität festhalten, während die philosophischen Künste in sich das Bewusstsein tragen, dass der Mensch in seinem Inneren universell und daher eine Einheit ist. Die philosophischen Kampfkünste dienen so der Entwicklung von Bewusstsein bis in die kleinsten Bereiche hinein.

Krieg und Frieden

Unsere heutige Gesellschaft und die damit verbundenen moralischen Vorstellungen ordnen dem Kampf und damit dem Krieg quasi automatisch einen negativen Stellenwert zu, der Friede ist immer positiv belegt. Kriege, wie sie heute geführt werden, bringen unsägliches Leid über unschuldige Menschen und sind ein schreckliches Übel. Ein Frieden, der solches Leid lindern oder vermeiden hilft, ist immer begrüßenswert.

 Doch werden philosophisch gesehen zwei Aspekte von Krieg und Frieden übersehen, die da sind:
 Der Krieg bedeutet Zerstörung, aber auch Neubeginn. Im positiven Sinn verstanden ermöglicht Krieg auch Entwicklung und Fortschritt, da er Platz für Neues schafft. Die Natur zeigt uns dies immer wieder in allen ihren Bereichen. Es gibt kein Leben ohne Kampf bzw. Auseinandersetzung, und sogar eines der grundlegenden Paradigmen der heutigen Gesellschaft, die Evolutionslehre, beruht genau darauf, dass die Fähigsten überleben. Dies garantiert, dass sich das Leben in immer komplexeren Formen weiterentwickeln kann und dass Formen, die überholt sind und nicht mehr gebraucht werden, „weggeworfen" werden.
 
 Der Friede bedeutet auch Stagnation und Entwicklung des Erreichten auf einer Ebene. Auch hier sehen wir in der Natur die entsprechenden Parallelen in der Entwicklung der Arten. Der Frieden zeigt sich in der Differenzierung, in der Herausbildung von Unterarten, in der Vielfalt. Aber auf den Frieden folgt wieder ein Krieg, das heißt, ein Entwicklungsschritt, womit das Leben weiter fortschreitet.
 

Krieg und Frieden sind also immer im Zusammenhang zu sehen, niemals isoliert voneinander. Trennt man sie, so verlieren beide ihren Sinn. Ein Krieg ohne darauffolgende Entwicklung ist ebenso undenkbar wie ein Friede um jeden Preis, der zu unkontrolliertem Wachstum führen und mit einem Krebsgeschwür verglichen werden kann.

 Seltsamerweise werden wir trotz unserer äußerlich zur Schau getragenen Friedensgläubigkeit von Grausamkeiten und Kämpfen fasziniert. Wie anders ist es zu erklären, dass Kampfszenen in Filmen und Büchern breiten Raum einnehmen und verschlungen werden?

 Wichtig ist der Geist des Sieges

Der Krieger muss nicht immer gewinnen. Wichtig für ihn ist der Geist des Sieges, das heißt, jedem Kampf so zu begegnen, dass er sein Bestes gibt. Da es die Bestimmung des Kriegers ist, im Kampf zu sterben, falls dies notwendig ist, ist der Tod für ihn genauso ein Sieg wie der Sieg selber, denn er hat in beiden Fällen seine Bestimmung erfüllt.
 

Und der Sieg des Kriegers ist der Sieg der gesamten Gemeinschaft, denn er ist ja ein Teil derselben, gemäß dem Spruch „Alle für einen und einer für alle". Wenn er also sein Bestes gibt, kann er nicht verlieren. Erst in unserer Zeit mit dem Unbedingt-Gewinnen-Müssen ist die Niederlage mit Schmach und Schande verbunden, vor allem, wenn der Sieg finanziell honoriert wird und das Weltbild auf materiellen Gewinn ausgerichtet ist. In diesem Fall kommt es nicht mehr darauf an, sich selber zu besiegen, sondern den Gegner, und die Kriegskunst degeneriert zum Sport.

 Am Beispiel des Judo kann man dies gut verfolgen: Das Judo war ursprünglich, wie alle anderen Stilarten der Kampfkünste, als ein Weg zur geistigen Vervollkommnung des Praktizierenden gedacht. Heute ist es als Wettkampfsport nicht mehr mit dem ursprüngliche Judo vergleichbar, denn der Kodex ist vollkommen verschwunden. Betrügereien und faule Tricks sind an der Tagesordnung, die Techniken werden nur nach dem Gesichtspunkt des größtmöglichen Schadens für den Gegner ausgewählt. Der Geist der kriegerischen Gemeinschaft ist aus den Wettkämpfern gewichen, der Kampf ist nicht mehr das verbindende Element zwischen zwei Kriegern, sondern er fördert den Gegensatz.
 

In diesem Zusammenhang soll abschließend auch noch der grundlegende Unterschied zwischen Sport und Kampf dargestellt werden:

 Sport

  •  In vielen Fällen wird Schutz verwendet, bzw. es gelten Regeln, die das Anwenden bestimmter Techniken verbieten. 
  •  Der Sportler setzt sich selber Grenzen, über die er im Rahmen des Sports nicht hinauskommt.
  •  Sport fördert den Egoismus, denn der Sportler sieht die Konsequenzen nicht und braucht sich deshalb nicht zu beherrschen.
  •  Gewinnen ist wichtig. 

  Kampf

  • Der Kampf hebt das persönliche Niveau. Der Krieger muss sich beherrschen, er darf nicht blindlings töten und muss lernen, als Verlierer in Ruhe zu sterben.
  •  Es gibt keinen Schutz. Der Kämpfer muss lernen, Schmerz zu empfinden. Dadurch wird die Entscheidung zum Schlag schwieriger, die Techniken werden jedoch einfacher.
  •  Der Krieger lernt das Risiko zu kalkulieren. Alle Waffen sind einsetzbar, die Aufmerksamkeit muss umfassend sein.
  • Gewinnen ist nicht wichtig; solange der Krieger im Geist der kriegerischen Tradition kämpft, siegt er immer. Das bedeutet, dass man wissen muss, wofür man kämpft und dass man die Gesetze der Natur respektiert und mit ihnen arbeitet.

Kampfkunst hat das Ziel, die Entwicklung aller Ebenen des Menschen zu fördern und ist somit ein ganzheitlicher Weg.

(Autor: Martin Peschaut )


 KARATE

                

KARA-TE-DO (Weg der leeren Hand)

KARA - leer / TE - Hand / DO - Weg


Die Wurzeln der fernöstlichen Kampfkünste:

 
Die Wurzeln der fernöstlichen Kampfkünste liegen sehr weit, über 2000 Jahre zurück und lassen sich heute geschichtlich nicht mehr zweifelsfrei rekonstruieren. China kann aber eindeutig als Wiege der asiatischen Kampfkünste gelten, auch wenn wichtige Impulse aus Indien und möglicherweise sogar aus dem europäischen Mittelmeerraum stammen.
Die bekannteste Hypothese über die Entstehung der Kampfkünste bezieht sich auf den indischen Mönch Bodhidharma, der den Zen-Buddhismus nach China brachte (zwischen 520 und 530 n.Chr.) und sich im berühmten Kloster Shaolin in Nordchina niederließ. Dort beschritt er mit den Mönchen einen neuen Weg: Er kombinierte das Zazen (Meditation im Sitzen) mit Körperübungen und Atemtechniken zur Stärkung der körperlichen und geistigen Stärkung seiner Schüler. Bald wurden diese Übungen mit bestehenden einheimischen und indischen Kampfformen verbunden. So entstand die chinesische Kampfkunst Ch’uan-Fa (Kung-Fu, japanisch: Kempo), die sich in vielen verschiedenen Stilrichtungen ausbreitete.
 
Die Entwicklungslinie des Karate-Do führte über die Insel Okinawa nach Japan. Okinawa wurde von japanischen Fürsten beherrscht. Aufgrund seiner geographischen Mittellage zwischen den japanischen Hauptinseln und chinesischem Festland stand es unter jahrhundertlangem chinesischem Kultureinfluss. Das chinesische Ch´uan-Fa verband sich mit den auf Okinawa bekannten Kampftechniken zu To-De (später Okinawa-Te genannt). Die berühmtesten Meister waren Sokon "Bushi" Matsumura (1792-1896) und Yasutsune (Anko) Itosu (1832-1916).
 
Die Stilrichtung Shotokan Karate:
 
Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden die oftmals im geheimen vermittelten Kampfkünste Okinawas öffentlich bekannt. Der Schullehrer, Dichter und spätere Pädagogikprofessor Gichin Funakoshi (1869-1957) bemühte sich um die Integration des Okinawa-Te als ordentliches Lehrfach in Schulen und Hochschulen, weil er von dessen hohem charakterbildenden Wert überzeugt war. Seine Vorführungen waren so eindrucksvoll, dass er von der japanischen Regierung beauftragt wurde, für ihre Verbreitung im japanischen Erziehungswesen zu sorgen. So baute er mehrere Karategruppen in Universitäten auf.
Aufgrund einer wachsenden antichinesischen und nationalistischen Haltung in Japan, sah sich Gichin Funakoshi gezwungen, den Namen der Kampfkunst zu ändern. So ersetzte er ein altes chinesisches Schriftzeichen durch ein phonetisch gleichklingendes. Die Kampfkunst hieß nun Karate-Do (= der Weg der leeren Hand) und enthielt mit dem Wort "kara" (= leer) einen Hinweis auf ihren geistigen Hintergrund. Ziel der Kampfkunst ist Klarheit und Leere:
sich von allen (dunklen) Gedanken leer zu machen und den Geist zu klären.
 
Im Frühjahr 1936 konnte Meister Funakoshi eine Schule in Tokio eröffnen und entwickelte eine eigene Stilrichtung. Die Schule erhielt den Namen Shotokan, (= die Schule des Shoto - Shoto bedeutet "Pinienrauschen" und war das Pseudonym, unter dem Gichin Funakoshi Lyrik veröffentlichte).
Die Stilrichtung Shotokan zeichnet sich gegenüber anderen Stilrichtungen besonders durch tiefe Stellungen und weite (Beschleunigungswege der) Techniken aus. Die Techniken des Shotokan wurden entwickelt aus der Begegnung mit der Kunst des Bogenschießens.
Erst nach dem Zweiten Weltkrieg begann die weltweite Verbreitung des Karate-Do. Shotokan ist heute in Deutschland und Österreich die am weitesten verbreitete Stilrichtung, gefolgt von Wado-Ryu (Weg des Friedens), Goju-Ryu und Shito-Ryu.
 
Was ist Karate-Do?
Eine Frage, die immer öfter gestellt, meist aber gar nicht richtig oder nur unvollkommen beantwortet wird.
   
Karate-Do ist sicherlich nicht die Kunst Bretter, Steine oder andere Gegenstände mit Händen, Füßen, dem Kopf oder sonst einem Körperteil zu zerschlagen. Weiterhin dient es nicht dazu, andere Menschen (ohne den Grund der Selbstverteidigung) zu verletzen oder zu töten. Es mag zwar sein, das ein geübter Karateka oder ein anderer Kampfkunstexperte in der Lage ist, diese ”Taten” leichter zu vollbringen als eine ungeübte Person, dennoch stellen diese weder den Sinn des Karate-Do dar, noch sind sie ein Ziel, das es zu erreichen gilt.

Karate-Do ist eine Kunst. Eine Körper- und Kampfkunst und eine Methode der Selbstverteidigung. Sie ist auch ein Weg zur Weiterentwicklung der Persönlichkeit und zur Festigung des Charakters, der schließlich zu einem inneren Wachstum führt. Karate-Do ist somit nicht nur eine Disziplin der Körperbeherrschung, sondern auch eine Schule der Geistesbildung, die einen das ganze Leben lang begleiten sollte. Meister Gichin Funakoshi  schrieb hierzu:

”So wie die blanke Oberfläche eines Spiegels alles wiedergibt, was vor ihm steht, und wie ein stilles Tal selbst den schwächsten Laut weiterträgt, soll der Karateschüler sein Inneres leer machen von Selbstsucht und Boshaftigkeit, um in allem, was ihm begegnen könnte, angemessen zu handeln.”
 
 KARATE-DO ist kein Sport und der kämpferische Einsatz der Kunst etwa in der realen Selbstverteidigungssituation gilt unumstößlich als ultima ratio. KARATE-DO ist für alle Menschen da. Nicht nur für die jungen und kräftigen auf der Höhe ihrer physischen Fitness. KARATE-DO zeigt einen Weg, auf dem Harmonie des Menschen mit sich selber und mit seiner Umwelt möglich werden kann. Der Weg dahin ist lang und mühsam und ist mit vielen Demütigungen des kleinlichen Alltag-Ichs verbunden. Dieser Weg ist einfach, aber nicht leicht. Der individuelle Weg kann nicht erkauft werden und es gibt keine Abkürzungen.
 
Viele finden jedoch auf diesem Weg, wonach sie lange gesucht haben.
 
Quelle: Wikipedia (Überarbeitung Edith Hofbauer)

  
Dem Weg (Do) der Kampfkünste (Budo) ein Leben lang zu folgen, um eine immer bessere Harmonie von Geist und Körper zu erreichen, das heißt auch, sich klug auf die Jahreszeiten des Lebens einzustellen.
 
So beruht das Training im Frühling des Lebens mehr auf körperliche Kräften, dann wird es technischer und reifer im Sommer, leichter im Herbst und endlich ruhiger sowie auf innere Empfindungen eingestellt im Winter. (Erklärung: Frühling, Sommer, Herbst und Winter im Leben eines Menschen bedeutet Jugend - Höhepunkt - Reife und das Alter)
Den Weg des Karatedo zu gehen, das bedeutet auch, frühzeitig von Kraft zur Weichheit überzugehen, vom Äußeren zum Inneren, um seine Energie optimal zu verwalten.
 
Weisheit beginnt an dem Tag, an dem man endlich aufhört endlos zu versuchen, den anderen etwas zu beweisen.
 
Nur dann wird auch das Praktizieren einer Kampfkunst zu menschlicher Vollkommenheit führen.
 
Ju ist das japanische Wort für körperliche Weichheit. Das paßt einem jungen Übenden am besten, ist er doch noch formbar und offen. Wa ist ein Begriff der besser zum fortgeschrittenen älteren Karateka paßt. Wa ist ein Privileg der Zeit, des Alters, der Geduld...
Wa bezeichnet das japanische Prinzip von Harmonie, inneren Frieden, Einklang zwischen der kosmischen Energie und den menschlichen Kräften. Wa ist Sanftmut des Geistes, die zur Harmonie mit sich selbst und mit den anderen führt - also der Schlüssel zum Frieden. So wird der Mensch, der langsam und mit Geduld den Weg geht, ein neuer Mensch.
 
Quellen:    Nakayama, Habersetzer (Überarbeitung Edith Hofbauer)
 
 
 
 
 
Persönliche Buchempfehlungen:
HARA - Die Erdmitte des Menschen (von Karlfried Graf Dürckheim, erh. bei  Amazon)
WUNDERBARE KATZE und andere ZEN - Texte (von Karlfried Graf Dürckheim, erh. bei  Amazon)
 
KARATE - DO: Die Kunst ohne Waffen zu siegen (Gishin Funakoshi, erh. bei Amazon)
Kurzbeschreibung:
»Das letzte Ziel des Karate-do liegt nicht in Sieg oder Niederlage, sondern in der Vervollkommnung des Charakters.« Um den Übenden hierfür eine Anleitung zu geben und sie bei dieser lebenslangen Aufgabe zu fördern, schrieb Funakoshi die heute legendären »Zwanzig Prinzipien« in dem Buch »Karate-do« nieder. Meister Funakoshi misst spirituellen Betrachtungen und geistiger Gewandtheit mehr Bedeutung bei als Kraft und Technik. Die Übenden sollten sich nicht allein auf die körperliche Technik verlassen, sondern vor allem die mentalen Aspekte ihres Trainings vertiefen. Ein Klassiker der Kunst der Strategie aus Japan.
 
KARATE - DO: Mein Weg, Gishin Funakoshi
 
4.5.2009, mein letztes gelesenes Buch, sehr empfehlenswert zur Auffrischung - für langjährige Kampfkunstexperten. Hilfreich bei der Umsetzung im täglichen Leben:
 
SEI SANFT UND KRAFTVOLL WIE DAS WASSER: (Joseph Cardillo, erh. bei Amazon)
 
Kurzbeschreibung
Wer die Leben spendende Kraft des Wassers verkörpert, der geht mit dem Fluss. Er erfüllt jeden Augenblick mit Leben, erzwingt nichts, befindet sich im Werden, macht Erfahrungen, stellt Beziehungen her. Wer sich dem Fluss anvertraut, wird ruhig und friedlich. Das ist der Weg des Kampfkünstlers. Mit diesem Buch lernen wir, wie Wasser zu sein. Cardillo zeigt, wie wir in einer sich beständig wandelnden Welt wir selbst bleiben und angesichts der Absurditäten des Alltags geistige Klarheit bewahren können.

Über den Autor
Joseph Cardillo verfügt über zwanzigjährige Erfahrung in verschiedenen Kampfkünsten und trägt den schwarzen Gürtel.Er ist Professor für Englisch und kreatives Schreiben und unterrichtet an der State University of New York. Er veranstaltet regelmäßig amerikaweit Seminare und Workshops.
 

 
  

 Kata Lehrgang in Bad Homburg

 

                    Fotos: Edith Hofbauer 


 Ergänzend möchte ich für Alle Bewohner in unserer Strasse einen Bericht der Karate Senioren WM 2007 beifügen. Hier wurde ein Bewohner und guter Bekannter von mir

Weltmeister 2007

 


 

AIKIDO

           

 

  Was ist Aikido?

Ai = Harmonie, Liebe

Ki = universale geistige Energie

Do = Weg

 Aikido ist eine Synthese der traditionellen japanischen Künste des Budo und gilt als wirksames System der Selbstverteidigung gegen bewaffnete und unbewaffnete Angreifer. Das Ziel ist es zwei entgegengesetzte Kräfte zu vereinen. Aikido ist ebenso ein in Körpersprache verfaßtes Lehrbuch in moralischer und philosophischer Sicht. Eine Besonderheit liegt darin, daß es sich aus der engen Sphäre des Kampfes und Wettstreites gelöst hat und zu einer Form der Persönlichkeitsbildung geworden ist.

Aikido hat sich aus der japanischen Tradition der Kampfkünste hauptsächlich den defensiven Aspekt bewahrt. In erster Linie ist es also, wie die meisten Kampfkünste, eine Methode des Selbstschutzes. Aikido zeichnet sich durch Schnelligkeit und Effizienz aus. Regelmäßiges Training fördert die Harmonie zwischen Körper und Geist, es entwickelt Körperaufbau, Geschmeidigkeit, Beobachtungsgabe, Raum- und Zeitgefühl, Körperbeherrschung, Kondition und Ästhetik.

Aikido zeichnet sich aus als eine sanfte und weiche Form der Selbstverteidigung.

Aikido wurde in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts von Meister Morihei Ueshiba aus traditionellen japanischen Kampfkünsten (Budo) entwickelt, aber: Nicht die Vernichtung oder das Besiegen des Gegners stehen im Vordergrund des Aikido, sondern das Lenken, Leiten und die Neutralisation der aggressiven Angriffsenergie. Durch geschickte Ausgleichsbewegungen wird die Angriffslinie verlassen, die Angriffskraft aufgenommen und umgelenkt, das Gleichgewicht des Angreifers gestört und er schließlich durch Würfe oder Handhebel in Bodenlage gebracht. "Dem Gegner auf den Boden helfen, wo er über das Unrecht seiner Tat nachdenken kann." Die Atmung hilft, die Energie oder geistig-körperliche Kraft freizusetzen.

Was ist Aikido nicht?

Aikido ist keine Kampfsportart

Aikido hat keinen Wettkampfcharakter, es werden keine Wettkämpfe ausgetragen. Aikido bietet durch das Einüben friedfertiger und gewaltfreier Techniken eine brauchbare und zukunftsfähige Form der Konfliktbewältigung an. Die Konstruktion der Bewegungen und Techniken schließt jede Möglichkeit zum Wettkampf von vornherein aus. "Sich in Techniken zu messen, gewinnen und verlieren, das ist nicht das wahre Budo."

Aikido ist keine Selbstverteidigungskunst im üblichen Sinn

Wer mit der Vorstellung an Aikido herangeht, daß er es innerhalb eines 20-Stunden-Kurses als wirksame Selbstverteidigung erlernen kann, der wird enttäuscht. Im Aikido geht es um die Vermeidung jeglicher Form der Eskalation aggressiv-destruktiver Gewalt. "Das Aiki ist keine Technik, um einen Feind zu bekämpfen oder zu besiegen. Es ist ein Weg, die Welt zu versöhnen und alle Menschen in einer Familie zu vereinen."

Aikido ist nicht nur 'Männersache'

Die weichen, fließenden und ästhetischen Bewegunsformen des Aikido und die Tatsache, daß die Techniken nicht in dem Maße Muskelkraft erfordern wie in anderen Kampfsportarten bietet gerade auch weiblichen Teilnehmern die Möglichkeit, sich auf den harmonischen Weg zu begeben. Es gibt hinsichtlich der TeilnehmerInnen (Alter, Geschlecht, Konstitution, usw.) keinerlei Beschränkung in der Ausübung des Aikido. Jeder übt mit jedem.

  

Warum ich AIKIDO mache ?
AIKIDO – Union St. Pölten (www.union-stpoelten.at)

Rudolf B.
Beim AIKIDO werden wie beim TaiChi, mit dem ich mich seit vielen Jahren beschäftige, die Techniken aus der Körpermitte, dem Hara, ausgeführt. Der harmonische Wechsel der polaren Kräfte Yin und Yang wird bei den Partnerübungen erlebbar und es zeigt sich in der Praxis, wie Weiches das Harte bezwingt.
Manfred H.
Ich habe 5 Jahre Karate trainiert, die ständigen kleinen Verletzungen und blaugeschlagenen Schienbeine waren auf Dauer nichts für mich. Zu AIKIDO hatte ich schon 1993 den ersten Kontakt. Nach einer Karate-Pause bin ich jetzt hier mit Begeisterung eingestiegen. Verletzungen kann ich mir als Selbständiger nicht leisten. Ich genieße AIKIDO als Erholung für Geist und Seele, das Training bringt mir Gelenkigkeit.
Edith H.
Ich bin langjährige Karate-Sportlerin und Trainerin, jetzt bin ich begeisterte AIKIDO-Schülerin, immer auf der Suche nach Wandlung und Neuem. Ich wollte eine fernöstliche Kampfkunst lernen, um sich zu verteidigen, um Kondition zu erlangen, um Balance zwischen Yin und Yang zu erlernen, wegen einer bewussten Atmung, aus Freude an traditionellen Werten. Im AIKIDO-Training machst du Sachen, die du noch nie gemacht hast – es macht irrsinnigen Spaß. Probier ihn aus, den Weg der Harmonie.
 
Unten: Bilder aus Malaysien
 
 
 
 Fotos: Edith Hofbauer
 

 
 
 
           
 
 
Edith Hofbauer, 09.07.2008

Qi Gong & Kampfkunst Tai Chi 

    Die Bedeutung der chin. Schriftzeichen

Qi - die Lebensenergie                        Gong - beständiges Üben
Das chinesische Schriftzeichen für Qi setzt sich aus dem Zeichen für Dampf und Reis zusammen. Dampf steigt auf vom gekochten Reis. Übertragen gesehen wird auf den nährenden Aspekt von Qi hingewiesen.
QiGong ist eine Form der Energieübung, deren Wurzeln in der alten chinesischen Heilkunst liegen.
Es gibt viele verschieden Schreibweisen: Qi Gong, Qigong, Chi Gong und andere.

Qi Gong ist eine uralte Selbstheilungsmethode, die vielfältige Bewegungsübungen und Entspannungsmethoden beinhaltet. Qi Gong ist neben der Akupunktur ein wichtiger Bestandteil der Traditionellen Chinesischen Medizin, nach der die Lebensenergie, auch Qi genannt, in einem System von Leitbahnen im Körper strömt. Der freie Fluss des Qi ist die Grundlage für unser körperliches und seelisches Wohlbefinden

So wirkt Qi Gong

  • fördert und erhält Gesundheit und Wohlbefinden

  • beugt Krankheiten vor und stärkt Immunsystem und Selbstheilungskräfte

  • lindert Beschwerden, unterstützt Therapie und Rehabilitation

  • erweitert die Beweglichkeit

  • reguliert und harmonisiert Blut-, Lymph- und Energiefluss im Körper

  • wirkt regulierend auf das gesamte Nervensystem

  • fördert die Konzentrationsfähigkeit bei gleichzeitiger Entspannung

  • verbessert die Stimmungslage und beeinflusst mentale und emotionale Aktivitäten

  • fördert Sensibilität und Selbstwahrnehmung

  • wirkt prophylaktisch und begleitend bei vielen Zivilisationskrankheiten, u.a. Rückenbeschwerden, Bluthochdruck, Herzerkrankungen, Rheuma und anderen, auch schweren chronischen Erkrankungen.

Gesundheits- und Lebenspflege

Qi Gong entspricht dem Bedürfnis des Menschen nach einem allgemeinen Wohlgefühl. Die Freude an den Bewegungen gleicht muskuläre Spannung aus und ermöglicht ein vitales Erleben im Körper. Qi Gong erleichtert unseren geistigen und emotionalen Umgang mit Stress und wirkt ausgleichend auf das Nervensystem.

Klarheit der Gedanken und eine gute Konzentrationsfähigkeit sind willkommene Resultate in der Qi Gong-Praxis. Auf seelischer Ebene findet die Entwicklung unseres kreativen Potenzials ihren Platz. Der Mensch erlebt sich eingebunden zwischen Himmel und Erde. Qi Gong fördert unter ganzheitlichen Aspekten die Gesundheit. Es wirkt prophylaktisch bei zahlreichen Zivilisationskrankheiten. Durch regelmäßiges Praktizieren von Qi Gong werden die Selbstheilungskräfte aktiviert und der Mensch bekommt eine echte Chance auf Genesung.

Doch Qi-Gong ist nicht nur »Medizin«, sondern kann auch zur Verbesserung einer Kampfkunst oder anderer sportlicher Leistungen beitragen oder eine spirituelle Übung sein.


 Tai Chi - chinesisches Schattenboxen 

 

 

  "Taiji" ist im Daoismus ein Synonym für das allerhöchste Wirkprinzip, die wörtliche Übersetzung von "Taiji" ist "Das größte Ganze" oder die "Allergrößten Gegensätze". "Quan" heißt wörtlich übersetzt "Faust". Taijiquan könnte also mit "Die Faustkampftechnik der extremen Gegensätze" übersetzt werden.

Das Taìjíqúan auch T'ai-Chi-Ch'uan (alte Umschrift), verkürzend Tai Chi oder vereinfachend chinesisches Schattenboxen genannt, ist eine Jahrhunderte alte im Kaiserreich China entwickelte innere Kampfkunst. Es verbindet die Aspekte Selbstverteidigung, Gesundheit und Meditation.

In der Volksrepublik China ist Taijiquan in zumeist stark vereinfachter Form ein Volkssport und in den Parks der Städte sieht man in den Morgenstunden tausende Menschen beim Üben der Bewegungen.

Über den Aspekt von Taijiquan als Kampfkunst hinaus wird Taijiquan häufig als allgemeines System der Bewegungslehre oder als Gymnastik betrachtet, welches einerseits der Gesundheit sehr förderlich ist, andererseits der Persönlichkeitsentwicklung und der Meditation dienen kann. Besonders im Westen tritt der Kampfkunstaspekt häufig hinter diesen Aspekten zurück, da die meisten Lehrer nur eine kurze Ausbildung haben und mit den energetischen, inneren Aspekten selbst nicht vertraut sind.

Im Zentrum des Übens von Taijiquan steht meistens eine so genannte "Form", eine feste Bewegungssequenz, die unterschiedlich lang sein kann (vergleichbar einer Kata in den japanischen Kampfkünsten).

Die Form wird typischerweise langsam und ruhig ausgeführt, doch kann es hier je nach Stil und Form Unterschiede geben. Die inneren Prozesse, deren äußerer Ausdruck die Formen sind, sind jedoch in allen Schulen gleich.

Eine Form setzt sich aus mehreren Bildern bzw. Einzelbewegungen zusammen. Viele Formen werden deswegen nach der Anzahl ihrer Bilder benannt, so zum Beispiel die 24-Bilder-Form (Pekingform) oder die 48-Bilder-Form. Die längsten Formen haben über 100 Bilder und ihre Ausführung dauert über eine halbe Stunde.

Waffenformen des Tai Chi

Die gebräuchlichsten Formen sind waffenlos, doch gibt es auch zahlreiche Waffen- oder Geräteformen. In traditionell orientierten Taijiquan-Schulen werden fortgeschrittene Schüler in den Waffenformen unterrichtet. Waffen des Taijiquan sind

* Schwert (Darn Jian, wurde von mir einst praktiziert)
* Säbel (Dao)
* Fächer
* Kurzstock
* Langstock
* Speer

Push Hands

Das Formtraining ist eine Vor- und Übungsstufe des (Push Hands), der Anwendung des Taijiquan im Kampf. Die höchste Vollendung erfährt das Üben im freien Push Hands, in der die Übenden sich gegenseitig demonstrieren, ob sie die Prinzipien des Taijiquan verinnerlicht haben.

Die 10 Grundregeln des Tai chi Chuan

In den klassischen Werken zum Taijiquan werden die folgenden zehn Grundregeln für das Praktizieren von Taijiquan als wesentlich betrachtet:

* Halte den Kopf aufrecht, um Deinen Geist zu entfalten
* Senke die Schultern, damit die Ellenbogen sinken
* Brust und Rücken sollen entspannt sein
* Lockere Deine Taille
* Verteile das Gewicht gleichmäßig
* Bringe Ober- und Unterkörper in Einklang
* Deine Bewegungen sollen fließen
* Verbinde den Geist mit dem Körper
* Gebrauche den Verstand, nicht die Kraft
* Suche die Ruhe in der Bewegung und die Bewegung in der Ruhe

Entstehung von Tai Chi

Über die Entwicklungsgeschichte des Taijiquan gibt es widersprüchliche Angaben. Die meisten der heute Taijiquan Praktizierenden berufen sich auf Vorläufer oder Wurzeln aus dem 15. Jahrhundert oder früher. Desweiteren sollen die Wurzeln oder Vorläufer nur einem engen Personenkreis zugänglich gewesen sein, etwa einem Kloster oder einer Familie. Entsprechend entziehen sich diese auch der offiziellen Geschichtsschreibung. Erschwerend kommt hinzu, dass es im chinesischen Kaiserreich üblich war, sich in eine Reihe von Vorfahren oder Lehrer zu stellen, die möglichst hoch angesehen oder gar Sagengestalten waren, d.h. es wurden nicht immer die tatsächlichen Sachverhalte weitergegeben. All dies leistete der Mythenbildung Vorschub.

Unsicher ist, ob es eine historische Verbindung zwischen dem philosophischen Daoismus (im Gegensatz zum religiösen Daoismus) jener Zeit und der Entstehung des Taijiquan gibt. Zumindest heute verwenden einige Schulen des Taijiquan zahlreiche daoistische Prinzipien und Motive, genauso gibt es aber auch Elemente, die als buddhistisch und konfuzianisch gedeutet werden können. In den klassischen Schriften des Taijiquan gibt es zahlreiche Punkte, die einen besonderen Bezug zum Daoismus nahelegen. Wann diese Schriften entstanden sind, ist jedoch umstritten.

Innerhalb der Kampfkünste wird Taijiquan oft zu den inneren Kampfkünsten gerechnet, auch wenn es bei einigen Schulen immer wieder zu Diskussionen um diese Frage kommt. Als legendärer Begründer der inneren Kampfkünste und damit auch des Taijiquan wird Zhang Sanfeng betrachtet. Der Legende nach entdeckte er die Prinzipien der inneren Kampfkünste in den Wudang-Bergen, nachdem er den Kampf zwischen einer Schlange und einem weissen Kranich beobachtet hatte. Zhang Sanfeng soll zwischen dem 10. und 14. Jahrhundert gelebt haben, aber seine historische Existenz ist nicht belegt.

In den Wudang-Bergen wird heutzutage eine Form des Taijiquan als Teil der inneren Kampfkünste praktiziert und gelehrt, die sich von anderen Stilen des Taijiquan unterscheidet. Diese wird von Anhängern des Wudang-Stils direkt auf Zhang Sanfeng und die Traditionen der Klöster zurückgeführt, auch wenn die Bezeichnung Taijiquan für die Form sicherlich neueren Ursprunges ist.

Die 5 Stile, Chen, Yang, Wu/Hao, Wu und Sun

Relativ gesichert ist die Tatsache, dass einige Zeit später, mindestens seit Mitte des 17. Jahrhunderts, im Dorf Chenjiagou ein Boxstil existierte, der viele Ähnlichkeiten zum heutigen Chen Stil Taijiquan aufweist. Dieser Boxstil wurde lange Zeit nur innerhalb der Chen-Familie weitergegeben. Welche Rolle daoistische Lehrer aus den Klöstern der Wudang-Berge bei der Entwicklung diese Stils spielten, ist nicht mehr nachzuvollziehen.

Die Geheimnisse der Chen-Familie wurden in der ersten Hälfte des 19. Jahrhundert erstmals an einen Außenstehenden weiter gegeben: Chen Changxing (1771-1853) akzeptierte Yang Luchan (1799-1872) als seinen Meisterschüler. Yang Luchan entwickelte das gelernte weiter und wurde zum Begründer des Yang-Stils. Etwas später unterrichtete Chen Qingping (1795-1868) ebenfalls ausserhalb der Familie Wu Yuhsiang (1812-1880).

Yang Luchang erlangte in China einen außerordentlichen Ruf durch seine sagenhaften Fähigkeiten in der Kampfkunst. Er erlangte den Beinamen 'Yang, der nicht kämpft', da er Angreifer ohne Kampf einfach von sich oder von seinem langen Stock abprallen ließ. Auch seine Nachkommen gelangten zu ähnlich großem Ansehen.

So wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Grundlage für die heute bekannten, sogenannten 5 Familienstile gelegt, benannt nach dem Familiennamen der Stilbegründer. Dies sind:

* Chen-Stil im "alten Rahmen" nach Chen Changxing (1771-1853) oder nach Chen Qingping im "kleinen Rahmen" (1795-1868)
* Yang-Stil im "grossen Rahmen" nach Yang Chengfu (1883-1936) oder im "kleinen Rahmen" nach Yang Panhou (1837-1892)
* Wu/Hao-Stil nach Wu Yuhsiang (1812-1880)
* Wu-Stil nach Wu Chuanyü (1834-1902) und seinem Sohn Wu Jianquan (1870-1942)
* Sun-Stil nach Sun Lutang (1861-1932)

Man beachte, dass das "Wu" in "Wu Yuhsiang" ein anderes Schriftzeichen ist als in "Wu Jianquan" - es handelt sich also um verschiedene Familien.

Dem Verhältnis von Meister und Meisterschüler (engl. disciple) wurde im chinesischen Kaiserreich große Bedeutung beigemessen. Der Meisterschüler schuldete dem Meister Gehorsam und war verpflichtet die Tradition zu schützen. Normalerweise wurden Schüler die ausserhalb der Familie standen nicht als Meisterschüler akzeptiert und daher nicht vollständig in die Geheimnisse der Kunst eingewiesen. Oft gründeten solche aussenstehenden Schüler dennoch ihre eigenen Schulen und gaben ihr unvollständiges Wissen weiter. In solchen Schulen flossen dann oft Elemente aus dem Tanz oder aus den äußeren Kampfkünsten in die Bewegungen ein - die inneren Prinzipien gingen dabei verloren.

Was ist Tai Chi Chuan? 

Die chinesischen Schriftzeichen für Tai Chi Chuan (oder Tai ji quan) bedeuten die Kraft (Faust) aus dem höchsten Prinzip oder die Übung im höchsten Prinzip. Tai Chi, das höchste Prinzip, ist in der taoistischen Lehre "die Mutter von Yin und Yang", dem dualistischen Prinzip zwischen dem Hellen und dem Dunklen, dem Aktiven und dem Passiven, dem Vollen und dem Leeren.

Von außen betrachtet besteht Tai Chi Chuan aus einer Abfolge von Bewegungen, die solo und mit Partnern, sehr langsam aber fließend ohne Unterbrechung, entspannt aber mit konzentrierter Aufmerksamkeit, ausgeführt werden. Beim langsamen Üben der Form wird der fließende Wechsel und das ständige Gleichgewicht zwischen "Voll" und "Leer" in den Bewegungen und Gewichtsverlagerungen aufmerksam wahrgenommen.

Die drei wichtigsten Aspekte des Tai Chi Chuan sind Gesundheit, Meditation und Selbstverteidigung, die miteinander in Verbindung stehen und sich gegenseitig unterstützen.
Die Bewegungen der Formen sind als Kampfbewegungen entwickelt worden, die zum Teil Bewegungen verschiedener Tiere nachgeahmt sind. Dabei lagen nach der taoistischen Philosophie die Prinzipien des Weichen und des Gleichgewichtes immer zugrunde. In höchster Vollendung kann ein Meister eine Kraft ohne Kraftanstrengung erreichen, die jeden Angriff neutralisiert.
Durch die regelmäßige Übung der Formen wird der Geist zu einer entspannt fließenden Ruhe und in ein inneres Gleichgewicht gebracht. Der ruhige Fluß der Bewegungen belebt den Kreislauf und den Atem und bringt die körperlichen Energien und Spannungen in ausgeglichene Harmonie.

Gesundheit   

Man sagt, Tai Chi Chuan könne 100 Krankheiten heilen. Heute werden hierzu Untersuchungen in Krankenhäusern und Universitäten in Peking und den USA durchgeführt, doch jeder, der sich mit Tai Chi Chuan auseinandersetzt, kann die Wirkung selbst spüren: Durch ständiges bewegtes Entspannen wird der Tonus dort, wo er unnötigerweise noch vorherrscht, abgebaut und durch die gleichmäßige Beanspruchung des Körpers dort aufgebaut, wo die Schwächen sind. Diese Verringerung des Tonus entlastet die Spannungen des Nervensystems, der Gelenke, und das gesamte körperliche Zusammenspiel wird verbessert.
Das Sinken des ganzen Körpers, verbunden mit einer tiefen Bauchatmung wirkt auf die inneren Organe und kann deren Funktionen regulieren. Durch das Entspannen der Muskeln werden alle Blutgefäße entlastet und die Blutzirkulation verbessert. Durch das Sinken und die Gewichtsverlagerung von einem Bein auf das andere werden beide gut durchblutet, wird Krampfadern sowie sonstigen Gefäßerkrankungen vorgebeugt oder ein Heilungseffekt erzielt.
Zusätzlich, zu diesen direkten Einflüssen auf die Physis, wirkt Tai Chi Chuan auch nach dem Prinzip der chinesischen Medizin, die davon ausgeht, daß die Lebenskraft Chi in verschiedenen Meridianen fließt und jede Krankheit mit einer Behinderung oder Stockung dieser Energieströme einhergeht. Darauf basieren Therapien wie Akupunktur, Moxa, Shiatsu u.ä. Ziel von Tai Chi Chuan ist es, das Chi zum Zirkulieren zu bringen, und alle Übungen sind darauf ausgerichtet. So kann sich Tai Chi Chuan wie die obigen Therapien wirksam entfalten. Vor allem kann es sich in der Vorbeugung und Nachbehandlung von Krankheiten ausgezeichnet bewähren, indem es eine gute Harmonie des Körpers herstellt und aufrechterhält. Anstelle von Nadeln und Moxa-Kegeln lernt man, mit Tai Chi Chuan die Lebenskraft durch Bewegung und Atmung zu lenken.

Meditation   

Tai Chi Chuan ist eine Form meditativer Bewegung. In der Konzentration auf den gleichmäßigen Fluss der Bewegung und das ständig wechselnde Gleichgewicht in der Mitte der Bewegung kann der Geist zu einer lebendigen Ruhe kommen. Die taoistische Philosophie von der Leere im Zentrum zwischen allen Polaritäten kann in den Bewegungsformen erfahren werden. Das sanfte Wirken ohne Zwang wird körperlich geübt.

Diese innere Ruhe und das Gefühl für das eigene Zentrum kann sich durch langjährige regelmäßige Übung immer mehr in der Person verwurzeln und bis ins alltägliche Leben auswirken.

Jeder Übende kann dabei auf seine eigenen Hindernisse stoßen, auf die persönlich eingegangen werden muß. Die alten Überlieferungen sehen vor, daß jeder seinen eigenen Weg geht.
Das Studium der klassischen Texte unter qualifizierter Leitung wird davon ein umfassendes Verständnis vermitteln.

Selbstverteidigung   

Die Selbstverteidigung ist ein wichtiger Aspekt des Tai Chi Chuan, der jedoch nur als Funktion und nicht als Ziel angesehen werden sollte. Die Übungen des Tai Chi Chuan basieren auf dem Prinzip von Feuer und Wasser. Eines davon zu vernachlässigen oder außer Acht zu lassen, ist nicht möglich. Die Richtigkeit der Prinzipien drückt sich in der Form aus, und die Richtigkeit der Form findet ihren Ausdruck in der Funktion.

Im Tai Chi Chuan sind Kampfbewegungen in weich ineinander fließender Abfolge entwickelt worden. Die Übung dieser Formen kann die Wahrnehmung des Gleichgewichtes der wechselseitig fließenden Energien fördern. Die Bedeutung der Bewegungen zu kennen hilft den Fluß der Energien richtig zu verstehen. In der Partnerübung "Push Hands" kann man die Wahrnehmung und das sensible Antworten auf die Energie des Anderen erproben.

 Quelle: großteils aus Wikipedia entnommen, Überarbeitung Edith Hofbauer


  

 

 

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